Immer wieder: Verlag zahlt keine Umsatzsteuer an seine Autoren

In fast allen Verlagsverträgen findet sich eine Klausel zur Frage, ob auf die Honorare des Autors Umsatzsteuer* gezahlt werden muss. Im Normvertrag des Verband deutscher Schriftsteller und des Börsenvereins lautet diese Formulierung etwa:

Ist der Autor mehrwertsteuerpflichtig, zahlt der Verlag die auf die Honorarbeträge anfallende gesetzliche Mehrwertsteuer zusätzlich.

In den allermeisten Fällen ist dies zwischen den Parteien überhaupt kein Problem. Die Abrechnung des Honorars sieht dann (vereinfacht und beispielsweise) so aus:

Umsatz aus dem Verkauf von Büchern: EUR 100.000,-
Anteil des Autors hieran: 20 %
= EUR 20.000,-
Umsatzsteuersatz: 7 %
= EUR 1.400,-

Gesamt: EUR 21.400,-

Der Verlag zahlt also an den Autor EUR 21.400,-. Die an den Autor zusätzlich abzuführende Steuer kann er sich im Wege des Vorsteuerabzugs bei der eigenen Umsatzsteuerveranlagung „zurückholen“ (es sei denn er ist Kleinunternehmer).

Bei manchen (eBook) Verlagen – insbesondere solchen, die ausschließlich über Amazon vertreiben – führt dies immer wieder zu Diskussionen. Hier nimmt man an, dass man seinem Autor dann keine Umsatzsteuer zusätzlich auszahlen muss, wenn die Einkünfte vom Distributor an den Verlag ohne Steuer ausgeschüttet wurden. Bei Amazon ist das nämlich der Fall, weil Amazon nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg sitzt.

Entscheidend für die Frage nach der Pflicht zur Zahlung der Umsatzsteuer ist eine Frage des Leistungsorts. Die Leistung des Autors liegt hier in der Übertragung der Nutzungsrechte auf den Verlag. Gemäß § 3a Abs. 2 UStG bestimmt sich der Leistungsort nach dem Sitzort des (unmittelbaren) Empfängers. Der Empfänger der Leistungen ist hier der Verlag – sitzen Verlag und Autor in Deutschland, muss der Verlag die Honorare zuzüglich Umsatzsteuer zahlen. Jede Leistungsbeziehung (Autor – Verlag // Amazon – Verlag) muss gesondert betrachtet werden.

Für die Beurteilung der umsatzsteuerlichen Leistungen des Verlages kommt es daher nicht darauf an von wem bzw. genauer woher er die Leistungen erhalten hat, sondern nur auf die steuerliche Leistungsbeziehung zwischen Verlag und Autor.

*Umsatz- und Mehrwertsteuer werden sehr häufig synonym verwendet, was technisch nicht richtig ist.

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